Luxemburg/Esch-sur-Alzette. Mit einem zentralen Appell zum Vertrauen eröffnete Stammapostel Schneider das neue Jahr 2026. Im französischsprachigen Gottesdienst in Esch-sur-Alzette sprach er über gesellschaftliche Ängste und persönliche Herausforderungen – und zeigte Wege auf, wie Glaube in unsicheren Zeiten trägt.
Am Sonntag, 4. Januar 2026, leitete Stammapostel Jean-Luc Schneider den ersten Gottesdienst des neuen Jahres in der Gemeinde Esch-sur-Alzette in Luxemburg. Begleitet wurde er von Bezirksapostel Stefan Pöschel sowie den Aposteln Ralph Wittich (Nord- und Ostdeutschland) und Matthias Pfützner (Österreich), deren deutsche Predigtzugaben Satz für Satz auf Französisch übersetzt wurden.
Die Predigt stand im Zeichen des Jahresmottos der Neuapostolischen Kirche: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“
Angst ernst nehmen – aber nicht überhöhen
In der Predigt ging der Stammapostel auf die vielfältigen Unsicherheiten der Gegenwart ein – von geopolitischen Spannungen über den Klimawandel bis zu persönlichen Schicksalen. Dabei warnte er davor, dass Angst die Wahrnehmung verengen und die Beziehung zu Gott beeinträchtigen könne. Wer nur noch auf Bedrohungen schaue, verliere den Blick für Gottes Handeln.
„Die Angst kann unser Leben bestimmen, unsere Freude rauben und unser Vertrauen schwächen“, sagte der internationale Kirchenleiter. Sie könne sogar verhindern, dass sich Menschen auf die Wiederkunft Christi wirklich freuen.
„Fürchtet euch nicht“ – das göttliche Gegenangebot
Als Gegenmittel stellte der Stammapostel das Vertrauen in Gott. Die biblische Aufforderung „Fürchtet euch nicht“ ziehe sich durch die gesamte Heilige Schrift. Sie gelte Menschen in Not, Glaubenden in Bedrängnis, aber auch jenen, die zweifeln – und sei auch heute aktuell.
Vertrauen bedeute nicht, auf die sofortige Lösung aller Probleme zu hoffen, sondern sich trotz allem auf Gottes Nähe zu verlassen. Gott verspreche nicht, jedes Leid zu vermeiden – aber er verspreche seine Gegenwart und seinen Beistand. In dieser Perspektive könne auch Leid einen geistlichen Sinn erhalten: Es müsse nicht das letzte Wort behalten.
Die neue Schöpfung als Ziel und Trost
Der Blick auf die neue Schöpfung bildete den abschließenden Schwerpunkt der Predigt. Diese neue Welt in Gemeinschaft mit Gott sei nicht nur ein künftiges Ereignis, sondern bereits jetzt im Glauben erfahrbar. Jeder Gottesdienst, jedes Gebet, jede bewusste Entscheidung für das Evangelium seien Schritte auf dieses Ziel hin.
Niemand sei von Gottes Verheißungen ausgeschlossen. „Nur wer sich selbst davon entfernt, wird ausgeschlossen – Gott verwirft niemanden“, sagte der Stammapostel. Diese Zusage sei Trost und Ansporn zugleich: Es gelte, die Verbindung zu Gott zu bewahren und sich nicht von Angst oder Enttäuschung trennen zu lassen. Wichtig sei daher eine bewusste Entscheidung für den Glauben.
Glaube als durchgehende Melodie
Apostel Ralph Wittich nahm den Gedanken des „Fürchtet euch nicht“ auf und zeigte auf, wie tief dieses Bibelwort in der Heiligen Schrift verwurzelt ist. Es finde sich bei Abraham ebenso wie bei Mose, Elia, Maria und Paulus – stets verbunden mit einer Zusage Gottes in kritischen Situationen. Dieses „Fürchtet euch nicht“ sei keine Floskel, sondern eine Einladung zum Vertrauen.
Zur Veranschaulichung griff der Apostel das musikalische Bild des Cantus firmus auf – eine tragende Hauptmelodie, um die sich alle anderen Stimmen gruppieren. So solle auch der Glaube die konstante Melodie im Leben eines Christen sein, die durch Höhen und Tiefen hindurch Orientierung gibt.
Vertrauen lernen
Apostel Matthias Pfützner begann seinen Predigtbeitrag mit einer persönlichen Erinnerung: Als Jugendlicher habe er das Glaubensbekenntnis zwar auswendig gekonnt, aber keine Beziehung dazu gehabt. Erst im Laufe der Zeit sei ihm bewusst geworden, dass Glaube mehr sei als Wissen – nämlich gelebte Beziehung.
Um dies anschaulich zu machen, erzählte er die Geschichte eines Kindes, das von einem Seiltänzer über eine Schlucht gefahren wird. Als es gefragt wird, ob es keine Angst hatte, antwortet es: „Der Mann, der mich geschoben hat, war doch mein Papa.“ Dieses Bild nutzte der Apostel, um das Vertrauen in Gott zu illustrieren: „Wir lassen uns von ihm tragen, weil wir wissen, wer er ist.“
Der Gottesdienst zum Jahresauftakt in der Gemeinde Esch-sur-Alzette wurde per Internet auf die Gemeinden in den Gebietskirchen Frankreich, Belgien (wallonisch), Luxemburg und Westafrika übertragen.
Logo zum Jahresmotto
Für die Internetseiten und die Gemeindekommunikation steht das Jahresmotto der Neuapostolischen Kirche „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ als Grafik in verschiedenen Formaten in ELIAS zum Download zur Verfügung.
2026 ist es das letzte Jahresmotto, das von Stammapostel Jean-Luc Schneider ausgegeben wurde. An Pfingsten wird er Apostel Helge Mutschler zu seinem Nachfolger ordinieren und in den Ruhestand treten.
Text: Frank Schuldt
Fotos: Neuapostolische Kirche Westdeutschland
Quelle: www.nak-west.de
