Westdeutschland/Bielefeld. Mit einem zentralen Gottesdienst für die neuapostolischen Christen seines Arbeitsbereichs in Europa und Teilen Afrikas eröffnete Bezirksapostel Pöschel am 30. November 2025 das neue Kirchenjahr. In der Gemeinde Bielefeld-Mitte feierten Gläubige vor Ort mit denen in den zugeschalteten Gemeinden einen festlichen ersten Advent.
Aus Bielefeld im Nordosten Nordrhein-Westfalens wurde der diesjährige Zentralgottesdienst in mehr als 15 Länder im europäischen und afrikanischen Arbeitsbereich von Bezirksapostel Stefan Pöschel übertragen. Dazu wurde die Predigt in acht weitere Sprachen übersetzt. In der Gemeinde Bielefeld-Mitte hatten sich über 280 Gläubige versammelt. Per Übertragung waren live über 40.000 angeschlossen.
Auf die Wiederkunft Christi ausrichten
Das der Predigt zugrunde liegende Bibelwort aus Hebräer 10,23–25 betont die Notwendigkeit, an der Hoffnung festzuhalten, aufeinander zu achten und die Versammlung nicht zu verlassen: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“
Bezirksapostel Pöschel griff diesen Gedanken auf und erinnerte daran, dass der Advent auch eine Zeit der inneren Ausrichtung sei. „Wir feiern nicht nur die natürliche Zeit bis Weihnachten, sondern richten uns geistlich auf die Wiederkunft Christi aus“, so der Bezirksapostel.
Hoffnung bewahren
Bezirksapostel Pöschel erinnerte daran, dass die Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi zum festen Bestandteil des neuapostolischen Glaubens gehört. Zugleich bestehe die Gefahr, dieses Ziel aus dem Blick zu verlieren. Die Wiederkunft Christi sei kein theoretischer Inhalt, sondern eine Haltung, die das geistliche Leben prägt.
„Der Fokus liegt oft auf einem erfüllten Leben, hier auf Erden – auch das ist berechtigt. Doch Zielpunkt unseres Glaubens – und damit viel wichtiger - bleibt die Wiederkunft Jesu Christi“, sagte der Bezirksapostel. Die Vorbereitung darauf zeige sich im Bekenntnis, im Gemeindeleben und im Zusammenhalt der Gläubigen. „Gott ist treu und steht zu seiner Verheißung.“
Gemeinschaft stärken, Verantwortung übernehmen
Ein zweiter Schwerpunkt der Predigt lag auf dem Appell zur gegenseitigen Verantwortung. Das Bibelwort fordert auf, „aufeinander achtzuhaben und einander anzuspornen zur Liebe und zu guten Werken“. Dies sei ein Ausdruck gelebter Gemeinschaft und Fürsorge, so der Bezirksapostel. Der Blick auf den Nächsten sei Teil der göttlichen Ordnung und solle helfen, Stolpersteine im Glaubensleben gemeinsam zu überwinden.
Der unerlöste Mensch sei auf sich selbst fixiert, beobachte den anderen zumeist nur, um sich von ihm abzugrenzen oder Vorteile zu erlangen. Der Bezirksapostel nannte als Beispiel dafür die Haltung von Kain. Dieser habe sogar formuliert, er sehe seine Aufgabe nicht darin, seines Bruders Hüter zu sein. Das sei, so der Bezirksapostel, Folge der Sünde. Das von Gott geschaffene Urbild des Menschen – und zugleich Gegenstand der neuen Kreatur – sei da ganz anders. Gegenseitiges "sich umeinander sorgen" und "für den anderen da sein", ist Ausdruck des durch den Heiligen Geist in der Gemeinde Jesu Christi geschaffenen neuen Menschen.
Die Ortsgemeinde sei dabei nicht nur Versammlungsort, sondern eine „von Christus zusammengefügte Gemeinschaft“, in der jeder Einzelne seine Gaben einbringen könne. Dies sei ein Gegensatz zum „reinen Konsumverhalten“ und erfordere Bereitschaft zum Mitgestalten.
„Vielleicht hat dich Jesus genau in diese Gemeinde gestellt, weil du Gaben hast, die du dort einbringen kannst“, so der Bezirksapostel. Dabei verwies er auch auf das Bild vom Leib Christi aus 1. Korinther 12: Die Gemeinde sei ein Körper, in dem jedes Glied eine Funktion habe.
Die Fürsorge solle sich sowohl auf geistliche als auch auf praktische Belange beziehen. Auch das Engagement für ferne Geschwister in anderen Ländern, etwa durch Spenden oder Opfer, gehöre dazu. Bezirksapostel Pöschel dankte ausdrücklich für diese Unterstützung.
Einladung zur Rückkehr in die Gemeinde
Besonders eindrücklich wandte sich Bezirksapostel Pöschel an diejenigen, die sich im Lauf der Zeit von der aktiven Gemeindeteilnahme zurückgezogen haben – sei es still und leise oder aus Enttäuschung. „Vielleicht schaut einer von zu Hause zu, der nicht mehr den Weg in die Ortsgemeinde findet, weil die Schwelle an der Kirchentür so hoch ist“, sagte er in die Kamera, an alle gerichtet, die per Internetübertragung verbunden waren.
Der Bezirksapostel rief zur Versöhnung auf: „Kommt zurück – und wenn wir Fehler gemacht haben, dann tut uns das leid.“ Er wolle ein Zeichen der offenen Tür setzen: „Ihr gehört zu uns. Ihr seid uns hochwillkommen. Ihr fehlt uns. Wir lieben euch.“
Einheit und Zielgerichtetheit in schwieriger Zeit
Die griechische Urform des Wortes „Versammlung“ im Bibeltext beziehe sich sowohl auf die Ortsgemeinde als auch auf die endzeitliche Entrückung der Gemeinde. Daher sei es wesentlich, beständig im Glauben und in der Gemeinschaft zu bleiben.
Bezirksapostel Pöschel warnte zugleich vor den Spaltungsversuchen durch den Widersacher. „Wenn wir wissen, dass Jesus Christus bald kommt, und uns der Einflüsse bewusst sind, dann können wir dem auch widerstehen.“
Die Berufung ernst nehmen
Bischof Michael Eberle bekräftigte in seinem Predigtbeitrag die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung im Glauben. „Wenn wir für den Nächsten den Weg bereiten, bereiten wir ihn auch für uns selbst“, sagte er und rief dazu auf, die persönliche Berufung ernst zu nehmen: „Herr, hier bin ich.“
Bischof Braima N’Dami (Guinea-Bissau und Portugal), dessen Beitrag von Apostel Dimitrios Diniz (Portugal) am Altar auf Deutsch übersetzt wurde, betonte die Notwendigkeit, sich täglich auf das Ziel auszurichten. Es sei entscheidend, an der Hoffnung festzuhalten, am Glauben zu arbeiten und solidarisch miteinander umzugehen: „Wir alle sitzen im selben Boot.“
Bekenntnismahl
In der Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl betonte Apostel Gert Opdenplatz die Bedeutung des Sakraments als Bekenntnismahl. Der Gottesdienst sei Teil einer weltweiten Feier: „Wir bleiben von A bis Z beständig im Brotbrechen, in der Gemeinschaft, im Gebet, in der Lehre der Apostel, die darauf verweist: Unser Herr kommt bald.“
Er rief zudem dazu auf, nicht nur in der Versammlung zu verbleiben, sondern auch andere einzuladen: „Kommt doch zu uns in die schöne Gemeinde Jesu Christi.“
Gottesdienst in Bielefeld-Mitte
Der Zentralgottesdienst 2025 fand in der Gemeinde Bielefeld-Mitte (Bezirk Ostwestfalen-Lippe) statt. Musikalisch wurde er von einem gemischten Chor, einem kleinen Orchester, verschiedenen Solisten sowie dem Afrikachor der Gemeinde mitgestaltet.
Im Gottesdienst nahm Bezirksapostel Stefan Pöschel Amtshandlungen vor: Bischof Michael Eberle (Bereich Nord) aus Bielefeld wurde nach 44 Jahren als Amtsträger in den Ruhestand verabschiedet. Als Nachfolger ernannte der Bezirksapostel Bischof Thomas Klimek (Münster). Zudem wurden drei weitere Bischöfe für die Gebietskirche Westdeutschland ernannt.
Impulse für die Gemeinde der Zukunft
Im Anschluss an den Gottesdienst wandte sich Bezirksapostel Stefan Pöschel mit einem Hinweis auf ein aktuelles Arbeitspapier an die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer. Es trage den Titel „Betrachtungen zur Gemeinde der Zukunft“ und sei im Auftrag der Bezirksapostelversammlung Europa entstanden. Das Papier verstehe sich nicht als Bauanleitung, sondern als „Ermunterung an alle Ortsgemeinden, die sich bietenden Möglichkeiten des Fortbestands und der Entwicklung von Gemeinde zu ergreifen“, erklärte er.
Dabei solle mit Vorurteilen aufgeräumt werden – etwa, dass nur große Gemeinden überlebensfähig seien oder dass ein Mangel automatisch zur Schließung führen müsse. „Wo ist denn da unser Missionsgedanke?“, fragte der Bezirksapostel und erinnerte an das Vorbild der ersten Christen: „Hätten die so gedacht, wären sie aus den Katakomben nie ans Tageslicht geklettert.“
Das Papier sei kein Dogma, sondern eine Einladung zur Diskussion vor Ort. „Es liegt an euch, in den Ortsgemeinden darüber zu sprechen“, sagte Bezirksapostel Pöschel und versprach: „Wir Apostel in Westdeutschland und in Europa stehen hinter dem Papier.“ Eine Veröffentlichung für alle Kirchenmitglieder sei zeitnah vorgesehen.
Vorstellung der Gäste
Nach dem Abschalten der Übertragung stellte der Bezirksapostel den Gottesdienstteilnehmern in Bielefeld die Apostel und Bischöfe vor, die aus dem europäischen Arbeitsbereich angereist waren. Im Anschluss gab es einen von Gemeindemitgliedern bereiteten Imbiss, sodass noch Gelegenheit zum Austausch war.
Text: Frank Schuldt
Fotos: Frank Schuldt
Quelle: www.nak-west.de
